Was bedeuten die Namenszusätze auf der Arzneimittelverpackung?

Auf jeder Arzneimittelschachtel sind neben dem Namen des Medikaments, dem Wirkstoff, der Wirkstoffstärke und der Darreichungsform noch viele weitere Angaben vermerkt. Diese können sich auf die Wirkungsweise, auf die Art der Einnahme, auf die Zusammensetzung der Wirkstoffe, auf den Wirkungseintritt oder auf die Verpackung beziehen. Was die verschiedenen Bezeichnungen im Einzelnen zu bedeuten haben, können Sie der folgenden Übersicht entnehmen.

Akut
Eine feste Definition, was der Begriff „akut“ bedeutet, gibt es nicht. Oft sind die Wirkstoffe dieser Arzneimittel in einer höheren Dosierung verschreibungspflichtig. Die niedrigere Dosierung, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist, bekommt dann den Zusatz „akut“. Andere Arzneimittel mit dem Zusatz „akut“ werden dagegen bei unvermittelt auftretenden, starken Beschwerden wie beispielsweise Husten, Schnupfen, Durchfall oder Magenbeschwerden eingesetzt.   

Comp oder plus 
Arzneimittel mit dem Zusatz „comp“ oder „plus“ sind aus mehreren Wirkstoffen zusammengesetzt. Sie enthalten also eine Kombination aus verschiedenen Wirkstoffen.  

Depot
Depot-Arzneimittel haben eine zeitlich verzögerte Wirkstofffreigabe – ähnlich der so genannten „Retard“–Arzneimittel. Damit wird eine relativ gleichmäßig hohe Wirkstoffkonzentration im Blut über einen längeren Zeitraum hin erreicht.

Dispers 
„Dispers“ bedeutet „zerstreut“ oder auch „fein verteilt“. Dispers-Tabletten werden zunächst in Wasser gelöst und dann getrunken. Der Wirkstoff ist damit schneller verfügbar, weil sich die Tablette nicht erst im Magen auflösen muss. Solche Tabletten werden dann eingenommen, wenn die Wirkung möglichst schnell eintreten soll.    

EDO (Ein-Dosis-Ophthiolen)  
In der Regel handelt es sich um Augentropfen in so genannten Einzeldosisbehältnissen. Diese sind für den einmaligen Gebrauch gedacht, denn sie enthalten keine Konservierungsstoffe. Die Menge kann einen Tag lang verwendet werden. Diese EDO-Behälter haben den Vorteil, dass die nicht geöffneten Miniampullen noch bis zum Verfalldatum haltbar sind. Augentropfen in „normalen“ Flaschen sind dagegen nach Anbruch nur noch wenige Wochen haltbar. Dadurch, dass Augentropfen in EDO-Behältnissen keine Konservierungsstoffe enthalten, sind sie meist auch besser verträglich.

Forte  

Die Bezeichnung „forte“ stammt aus dem Lateinischen und heißt „stark“ oder „kräftig“. Meistens bedeutet dies, dass das Medikament in verschiedenen Stärken zur Verfügung steht. Neben der „normalen“ Dosierung gibt es oftmals noch eine höhere Wirkstoffkonzentration, die dann den Zusatz „forte“ erhält. Das entsprechende Gegenteil ist dann ein Präparat mit der Ergänzung „mite“. 

Lingual
Arzneimittel mit der Bezeichnung „lingual“ sind für die Anwendung im Mund gedacht. Solche Schmelztabletten zerfallen auf der Zunge und werden vor allem dann verwendet, wenn die Wirkung schnell eintreten soll, wenn Übelkeit die Zufuhr von Wasser einschränkt oder auch speziell bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren, die noch nicht problemlos eine Tablette schlucken können.

Mite oder minor

Analog zu einem „forte“-Präparat ist der Wirkstoff bei einem Arzneimittel mit dem Zusatz „mite“ niedriger konzentriert als in der Normaldosierung.  

Mono 
Bei einem Arzneimittel mit dem Zusatz „mono“ handelt es sich um ein Medikament mit nur einem einzigen Wirkstoff. Dieser Zusatz ist eine freiwillige Angabe. Deshalb haben nicht alle Arzneimittel mit nur einem Wirkstoff auch den Zusatz „mono“ im Namen. Im Gegenteil, die meisten Einzel-Präparate haben diesen Namenszusatz nicht.     

MUPS (Multiple Unit Pellet System)
Hier handelt es sich um Tabletten, bei denen mit Hilfe eines patentierten Verfahrens der Arzneistoff in winzig kleine Mirco-Pellets gepresst wird. Diese sind von einem magensaftresistenten Überzug umgeben. Da die Pellets sehr klein sind, können sie besonders schnell den Magen passieren und in den Dünndarm gelangen. Dort wird der Wirkstoff dann freigesetzt und vom Körper aufgenommen.  

N
  
Meisten hat sich bei Arzneimitteln, die hinter dem Namen noch ein „N“ für „neu“ stehen haben, die Zusammensetzung geändert. Dabei kann ein Inhaltsstoff entweder dazugekommen, weggelassen oder in seiner Stärke verändert worden sein. 

N1/N2/N3 
In diesem Fall bedeutet das „N“ Normgröße. Die Bezeichnungen N1, N2 und N3 beziehen sich auf die Packungsgröße. N1 ist dabei die kleinste Packungsgröße. Diese ist für eine kurzfristige Behandlung gedacht. N2 ist die mittlere und N3 die größte Packungsgröße. Diese Normgrößenbezeichnungen sagen allerdings nichts darüber aus, wie viele Tabletten in der jeweiligen Schachtel enthalten sind.  
Ein Beispiel: Das Arzneimittel A gibt es in den Größen 20, 50 und 100 Stück. Hier ist dann die 20er Packung die kleinste, also die N1-Größe, die 50er Packung die N2 und die 100er Packung die N3-Größe. Bei einem anderen Medikament B sind Packungen mit 10, 20 und 30 Tabletten im Handel. In diesem Fall ist die 10er Packung die N1-Größe, die 20er die N2 und die 30er die N3-Größe.   

Protect   

Das Wort „protect“ stammt vom lateinischen Wort „protectio“ ab und heißt „Schutz“. Doch eine Schutzwirkung muss das Medikament nicht zwangsläufig haben. Dennoch sind bei einigen dieser Mittel die enthaltenen Wirkstoffe so verarbeitet, dass sie vom Anwender besser vertragen werden. Das ist besonders für solche Wirkstoffe interessant, die den Magen belasten, oder allgemein für Patienten, die häufig unter Magenbeschwerden leiden.

Retard
Die Bezeichnung „retard“ stammt ebenfalls aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „verzögert“. Bei einem Arzneimittel mit dem Zusatz „retard“ wird der Wirkstoff verzögert freigesetzt. Er wird also nicht auf einmal, sondern nach und nach an den Körper abgegeben. Damit hält die Wirkung aber auch längere Zeit an. Retard-Tabletten sind deshalb in der Regel mit einer speziellen Umhüllung versehen. Diese sorgt für die verlangsamte Wirkung. Aus diesem Grund dürfen Retard-Tabletten nicht geteilt oder zerbissen werden, denn dann wäre die Hülle zerstört und der gesamte Wirkstoff würde sofort freigesetzt werden. Damit steigt das Risiko von Nebenwirkungen oder Überdosierungen.
Eine andere Form der verzögerten Wirkstofffreisetzung findet man in einigen Retard-Kapseln. In diesen wird der Wirkstoff in so genannte Pellets gepresst. Die Pellets sind dann mit einem speziellen Überzug zur verlangsamten Wirkstofffreisetzung versehen. Bei solchen Kapseln kann meist die Kapselhülle geöffnet, die Pellets entnommen und anschließend mit Hilfe eines Löffels geschluckt werden. Wichtig ist hierbei, dass die Pellets nicht weiter zerkleinert oder zerbissen werden dürfen.

ZOK
ZOK-Tabletten bestehen aus gepressten Pellets und zeichnen sich durch eine ganz besonders konstante Wirkstofffreisetzung aus. Der Arzneistoff in den einzelnen Pellets wird von einer speziellen Membran (Umhüllung) umgeben. Durch diese kann Wasser ins Innere der Tablette eindringen. Der Wirkstoff im Innern löst sich auf und wird gleichmäßig mit konstanter Geschwindigkeit über mehrere Stunden abgegeben. ZOK-Tabletten können zwar geteilt, nicht aber zerbissen oder verrieben werden.

Wichtiger Hinweis: Der Inhalt ist nach bestem Wissen und Kenntnisstand erstellt worden. Er wird regelmäßig auf Aktualität überprüft und gegebenenfalls angepasst. Gleichwohl machen es die Komplexität und der ständige Wandel der behandelten Materie erforderlich, Haftung und Gewähr auszuschließen. 

Apotheke heute 11/2014 Kundeninformationsblatt "Was bedeuten...?"   

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